Dienstag, 5. Februar 2013

Nur Kantonesen essen Ratten




Nachdem China mich jetzt 7 Monate lang mit der besten Küche verwöhnt hat, die man sich nur wünschen kann, werde ich hier mal wenig Text haben. Genießt die Bilder und beneidet mich einfach darum, dass ich Dinge essen kann, die ihr wahrscheinlich niemals auch nur aus der Nähe sehen werdet. Und ich kann euch sagen – ihr verpasst etwas. Und das einmal nur auf Gemüsegerichte bezogen. Ich weiß aus guten Quellen – andere Ausländer die hier sind – dass die chinesischen Fleischgerichte auch nicht zu verachten sind… 
 
So viel Essen kann schon zusammenkommen, wenn eine größere Familie gemeinsam isst…

Im Grunde ist China ja das einzig wahre Land für Vegetarier. Sie haben zwar wahnsinnig viel Fleisch, aber geradezu einen Überschuss an Gemüsegerichten verschiedenster Art. Und der Großteil ihres Gemüses war mir vollkommen neu, wie ich hierhergekommen bin.

Das hier sieht unspektakulär aus, aber ich musste es einfach dazugeben. Es sind pikant gefüllte Teigtaschen, die „Jiaozi“ heißen und mein absolutes Lieblingsessen sind. Inzwischen kann ich sie sogar schon selbst machen, das Bild hier wurde allerdings im Restaurant gemacht.

Für Chinesen sind Suppen unheimlich wichtig. Und auf Geburtstagsfeiern ist eine Nudelsuppe für Chinesen so wichtig wie für uns die Geburtstagstorte. Die langen Nudeln symbolisieren langes Leben … 

… aber es ist Folter sie mit den Stäbchen zu essen. Bis vor zwei Monaten habe ich mich jedes Mal blamiert. Inzwischen kann ich aber voller Stolz sagen: Ich kann es… meistens.

Das Schwarze hier sind Enteneier. Chinesische Spezialität… und extrem gut.

In Österreich liebe ich ja Milch und Kakao und alles, was damit zu tun hat. Chinesische Milch dürfte sich eigentlich gar nicht „Milch“ nennen, aber die Chinesen haben ein anderes Getränk, das ich inzwischen täglich in der Früh trinke – Bohnenmilch nämlich. 

Natürlich – Tofu. Die Chinesen haben so viele verschiedene Arten, Tofu zu servieren und zuzubereiten, ich musste mich für eine entscheiden.

Das hier ist, was die Chinesen „Brot“ nennen. Es schmeckt wahnsinnig gut… nur „Brot“ ist es natürlich nicht.


Was ist das? Ich habe keine Ahnung, wie ich es übersetzen soll, aber ich liebe es. Im Grunde ist es ein bisschen wie Fondue… aber anders. 

Das hier kennen wahrscheinlich viele. Frühlingsrollen. Aber wie viele unter euch haben schon einmal selbst zu Hause Frühlingsrollen gemacht?!
 
Eine Art gefüllter chinesischer Palatschinke. Ich habe viel zu viele davon gegessen. Überhaupt esse ich in China zu viel. Das Essen ist zwar nicht per se ungesund, aber die Chinesen kochen niemals, ohne mindestens ein Glas Öl zu verwenden… dementsprechend fett sind die Dinge dann auch. Und ich lüge nicht wenn ich sage, dass bei wirklich jeder chinesischen Speise Öl – viel Öl – dabei ist.
 
Lotus. Die Früchte sind essbar. Die Wurzeln übrigens auch, und die werden viel gegessen – gekocht, überbacken, fein gehackt, als Dekoration oder als Speise…

Und so sieht das Kochen in China aus. Und zwar in jedem Haushalt, den ich bisher besucht habe. 

Wie gesagt, es GIBT Dinge, die ich inzwischen selbst machen kann… Hier beim Jiaozi-machen gemeinsam mit meiner ganzen Familie.

Und so schaut es dann im Restaurant aus – wobei dieser Tisch noch ziemlich leer ist. Am Ende des Abends war er viel voller. Chinesen verschwenden Essen schrecklich. Wenn sie mit einer Gruppe von 10 Leuten ins Restaurant gehen kann es schon sein, dass sie 22 Gerichte bestellen… dementsprechend viel bleibt dann auch übrig…
Ich hoffe, dass ich euch ein bisschen Hunger machen konnte… wer mehr davon sehen will – ich habe über zweihundert Bilder auf meiner Festplatte, die sich nur der chinesischen Küche widmen. Guten Appetit.

Donnerstag, 13. Dezember 2012

Chinesischer Verkehr ist wie Französische Grammatik – nur gefährlicher



Eigentlich wollte ich den Blogpost ja „Über die Chinesische Verkehrserziehung“ nennen, dann hätte er aber wohl leer bleiben müssen, denn sie ist nicht existent.
Chinesischer Verkehr ist ein bisschen wie Französische Grammatik. Nur, dass Französische Grammatik vielleicht nicht unbedingt gefährlich genannt werden kann, Chinesischer Verkehr zeitweise aber durchaus. Er hat keinerlei Logik an sich und es gibt keine Regeln, sondern nur Ausnahmen. Beziehungsweise im Fall des Chinesischen Verkehrs: Es gäbe zwar – rein theoretisch – schon Regeln, aber niemand hält sich daran. Und bevor jetzt einer von euch denkt „Ich habe in Europa aber auch schon die Verkehrsregeln gebrochen“ kann ich euch sagen, dass das nicht vergleichbar ist. Überhaupt nicht.

Das Grundprinzip des Chinesischen Verkehrs ist das „Recht der Stärkeren“. In anderen Worten, ein Autofahrer hier braucht sich nicht darum zu kümmern, ob er Fußgänger überfährt, denn der Fußgänger ist ja der Schwächere und hat gefälligst selbst darauf zu achten, dass er nicht zusammengefahren wird. Tut er das nicht, so ist das absolut seine eigene Schuld. Was kann denn der Autofahrer dafür, dass der Fußgänger nicht aufgepasst hat?!!
Dieses Prinzip ist mir relativ schnell klargeworden, als ich hierhergekommen bin. Am Anfang habe ich mir – sehr rebellisch – gedacht, ich würde es den Autofahrern schon zeigen. Aber ich war gezwungen, das ziemlich schnell aufzugeben und mich in das System einzufügen. Auf lange Sicht wirkt es sich nämlich positiv auf die Lebensdauer aus. Und ja, ich meine das genau so. Die Chinesen hätten keine Skrupel mich, oder irgendjemanden anderen, zu überfahren.

Das bringt mich zu meinem nächsten Punkt. Es sterben genügend Leute bei Verkehrsunfällen in China, so viel ist klar. Es wundert mich aber ehrlich gesagt, dass nicht noch viel mehr Leute sterben. Wie die Chinesen so ein zahlreiches Volk sein können, trotz der Dinge, die auf ihren Straßen vorgehen. Man kann es sich schwer vorstellen, wenn man noch nie in China war, aber es ist eigentlich wirklich… schrecklich. Das chinesische Verkehrssystem ist vollkommen ausgebaut. Ich wünschte, wir hätten manche von diesen Dingen in Österreich, denn an die Chinesen sind sie absolut verschwendet. Zum Beispiel gibt es auf fast allen Straßen eigene Fahrrad- und Motorradspuren. Und natürlich Fußgängerwege und drei- oder vierspurige Straßen für die Autos. Was allerdings niemanden wirklich kümmert. Jeder bewegt sich überall – Hauptsache nicht dort, wo er eigentlich sein sollte.
Ich werde nie vergessen wie sehr ich mich geschreckt habe, als das erste Mal ein Moped von hinten gekommen ist, während ich ganz friedlich auf dem Fußgängerweg gegangen bin. Mopeds fahren sowieso nur auf den Fußgängerwegen. Warum sollten sie auch ihren eigenen Straßenabschnitt nützen? Ach nein, das können sie ja nicht, dort fahren gerade ein Bus, ein paar Autos und zwischen ihnen schlängeln sich die Menschen durch… Auf chinesischen Straßen ist man nirgends sicher, am allerwenigsten auf dem Fußgängerweg und auf dem Zebrastreifen.

Der Zebrastreifen ist sowieso eine Sache für sich. Ich habe die Logik noch nicht ganz durchschaut, ich glaube aber, dass das Grundprinzip ist „Egal was die Ampel anzeigt, tu was dir gefällt“. Es ist nicht so als hätten die Chinesen keine wundervollen Ampeln. Ich liebe die chinesischen Ampeln. Ich will sie mit nach Hause nehmen. Sie sagen dir nämlich, wie lange es noch Grün bleibt, beziehungsweise wenn die Ampel Rot ist, zeigen sie an, wie lange du noch warten musst. Sowohl den Autofahrern als auch den Fußgängern. Die Ampeln haben mich gleich fasziniert. Nur… sie sind in China DEFINITIV verschwendet, denn den Chinesen sind Ampeln einfach egal. Und es ist absolut sinnlos, sich als Fußgänger daran zu halten, denn wenn die Autos sich nicht um die verschiedenfarbigen Lichter kümmern, ist es egal ob die Fußgänger es tun oder nicht.
Jedenfalls ist es fast schon eine Schande, dass man bei ganz normalen Ampeln an jeder Seite des Zebrastreifens ein bis zwei Verkehrshelfer braucht – und dass noch nicht einmal dann der Verkehr in geordneten Bahnen verläuft. Denn warum sollte es die Motorräder oder Autos betreffen, wenn die Ampel Grün zeigt und der Verkehrshelfer den Fußgängern gewunken hat, dass sie gehen dürfen, während er sich gleichzeitig – aussichtslos – bemüht, die Fahrzeuge in Schach zu halten.
Aber sogar wenn sich diese an die Verkehrsregeln hielten (man bemerke bitte die Verwendung des Konjunktivs) wäre man auf dem Zebrastreifen nicht sicher, denn Chinesische Motorradfahrer sind offenbar der Ansicht, dass der Zebrastreifen für sie genauso sehr wie für Fußgänger da ist. Und ganz nach dem „Recht der Stärkeren“ nehmen sie auch keine Rücksicht auf die Fußgänger, die mit ihnen zeitgleich den Zebrastreifen überqueren. Dazu kommen dann eben noch die Motorräder und Autos, die sich nicht an die Ampel halten – sprich: als Fußgänger in China kommen die Fahrzeuge aus allen Richtungen, und sie sind sicher nicht diejenigen, die darauf Acht geben, dass du nicht überfahren wirst. Nett, oder?

Ich würde ja gerne noch etwas zum Stau sagen, der manchmal sogar verhindert, dass Krankenwagen oder Feuerwehr zu ihrem Ziel kommen können, oder zu den mehr als nur eigenwilligen (dafür aber sehr billigen) Taxis, oder zu der Tatsache, dass es in den meisten chinesischen Autos nicht einmal möglich ist, sich anzugurten, aber das wäre zu lang. Außerdem sollt ihr ja von China keinen falschen Eindruck bekommen.

Ein Wort aber noch zum Schluss: Wenn je einer von euch nach China fährt, sorgt dafür, dass ihr am Anfang nie ohne chinesische Begleitung auf die Straße geht, die euch im schlimmsten Fall schnell auf die Seite ziehen kann. Man gewöhnt sich zwar mit der Zeit daran, aber bis dahin neigen die meisten Menschen dazu, leichtsinnig zu sein oder die Situation zu unterschätzen. Jedenfalls will ich mir nicht ausmalen, wo ich jetzt wäre, wäre ich nicht in meinem ersten Monat hier einige Male von chinesischen Freunden auf die Seite gezogen worden. Danke, liebe Schutzengel. (An alle, die mir Schutzengel, Anhänger oder Amulette geschenkt haben – sie haben offenbar gewirkt.)

Samstag, 27. Oktober 2012

Und wie ist es nach Shanghai eigentlich weitergegangen bei dir...



...wurde ich kürzlich von einer guten Freundin gefragt, und ich glaube es ist Zeit, diese Frage zu beantworten, vor allem deshalb weil ich inzwischen länger in Zhengzhou bin, als ich in Shanghai war. Und, um das einmal kurz zu erwähnen, auch wenn es irgendwie… merkwürdig ist, ich bin seit 3 Monaten zwei Wochen und 3 Tagen in China. Einerseits macht mich das glücklich, andererseits … genau heute ist die Hälfte meines Aufenthalts hier ist vorbei und es fühlt sich nicht lang genug an. Okay, verschieben wir dieses Thema. Wie ist es also wirklich nach Shanghai weitergegangen?

Okay, Shanghai hat damit geendet, dass eine Horde an anderen ausländischen Schülern, von denen bis auf Eine niemand aus meiner Organisation war, ebenfalls nach Shanghai gekommen ist und mir der Großteil dieser Menschen damit auf die Nerven gegangen ist, dass ihnen unbedingt alles nicht gefallen musste… Wie dem auch sei, gemeinsam mit 9 anderen aus dieser Gruppe habe ich dann am 29.August die siebeneinhalbstündige Zugreise hierher, nach Zhengzhou, angetreten. 5 davon sind dann in eine andere Schule gefahren, zwei Italiener, zwei Deutsche, die eigentlich Dänen sind und ich wurden in die „Zhengzhou No.4 Middle School“ gebracht, wo ich erst einmal eineinhalb Wochen im Schlafsaal gewohnt habe, bevor ich am 7.September zu meiner Familie gekommen bin. Ich weigere mich, den Begriff Gastfamilie zu verwenden, meine Familie ist so viel mehr für mich als das. Das heißt nicht, dass ich meine österreichische Familie deshalb weniger liebe, es ist mehr als hätte ich jetzt einfach eine zweite Familie, komplett mit älterem Bruder, Großeltern, Onkels und Tanten, Cousinen und Cousins.

Die Zeit im Schlafsaal war ein wenig trist, weil ich davor immer in Familien war und mir diese Verbundenheit doch sehr abgegangen ist, und ich habe dem Tag, an dem ich zu meiner Familie kommen würde, regelrecht entgegengefiebert.

Bei meiner Familie bin ich inzwischen auch wieder eineinhalb Monate, und der Alltag ist eingetreten. Ich weiß nicht, was ich erwartet habe. Von vielen Menschen ist mir gesagt worden, dass mit dem Eintritt des Alltags Desillusionierung und Heimweh kommen. Bei mir hatte es den umgekehrten Effekt. Während ich mich in China eigentlich von Anfang an nie als Touristin gefühlt habe, ist mit dem Alltag ein neues, endgültiges Gefühl des In-China-zuhause-Seins gekommen, ich fühle mich… naja, gut, vielleicht nicht unbedingt wie eine Chinesin, aber eben hier zu Hause.

Im Grunde sind meine Tage sehr eintönig. Gegen halb acht aufstehen, in die Schule gehen, vier Stunden Unterricht, in dem ich inzwischen sogar hin und wieder etwas verstehe, Mittagspause, in der ich meistens Chinesisch (hauptsächlich Schriftzeichen) lerne, Schule bis 18:10, zu Hause oder im Speisesaal zu Abend essen, Klavier und Trompete üben, laufen gehen, schlafen. Montags und freitags habe ich am Abend zwei Stunden Chor (ich habe die Aufnahmeprüfung geschafft!!!), was ich sehr genieße… aber das war es dann auch schon.

Es klingt fürchterlich langweilig, aber das ist es eigentlich überhaupt nicht. Jetzt, wo das allererste Staunen – inzwischen schon länger – verflogen ist, habe ich die Möglichkeit, China als „quasi“ Chinesin und nicht als Touristin wirklich kennenzulernen, und fast jeden Tag entdecke ich wieder Dinge, die mich in Staunen, Überraschung, leichtes Amüsement oder leichte Wutanfälle versetzen. Es ist so anders als in Österreich (oder Europa prinzipiell) und sogar die Dinge, die in beiden Ländern gleich sind, sind hier irgendwie anders.
(Ergibt das für euch einen Sinn? Tut mir leid, ich kann es nicht besser beschreiben. Man muss schon hier sein, um das zu verstehen, glaube ich.)
Hier trifft der Satz „Man lernt nie aus“ total zu und ich glaube ich könnte drei Jahre hierbleiben und die Chinesen würden es immer wieder schaffen, mich vollkommen aus der Bahn zu werfen. Die Kultur ist einfach so anders.
Ein zweiter Punkt der verhindert, dass mein Alltag langweilig wird, ist die Tatsache, dass ich jetzt Freunde habe. Ganz ehrlich, bei dem chinesischen Schulsystem wundert es mich, dass ich überhaupt Freunde habe, denn der Stundenplan der chinesischen Schüler, auf den ich zu einem späteren Zeitpunkt noch genauer eingehen werde, besteht aus Schule, lernen, Hausaufgaben, Schule, Hausaufgaben, lernen, 3 Stunden schlafen, aufstehen, Schule, lernen,…
Aber das tut nichts zur Sache. Meine Freunde sorgen dafür, dass jeder Tag einzigartig wird, indem sie mich zum Mittagessen einladen, mir all das über die Chinesische Kultur und Lebensweise zeigen und erzählen, was ich noch nicht gehört oder gesehen habe und dafür sorgen, dass ich mich hier wirklich wie zu Hause fühlen kann.
Was sicher auch dazu beiträgt, dass mir nicht langweilig wird, ist, dass es mir möglich ist, mindestens einmal pro Woche einen Ausflug zu machen und auch sonst meine Stadt erkunden zu gehen. Ich habe ja nicht den Stundenplan der Chinesen.

Ich weiß, die zwei Fotos die ich euch das letzte Mal versprochen habe… irgendwie hat mein Computer was gegen die. Wenn ihr sie sehen wollt, schreibt mir ein E-Mail (lina.m.wagner@gmx.at) , dann schick ich sie euch im Anhang zurück.

Und das nächste Mal geht es um den Verkehr und darauf freu ich mich schon. Sehr. Darüber wollte ich seit meinem ersten Tag in China schreiben, also macht euch auf etwas gefasst…

Montag, 1. Oktober 2012

Ein kleiner Rückblick - Shanghai remembered

Zu meiner Verteidigung: Dieser Blogpost spukt schon fast seit zwei Wochen auf meinem Computer herum, es hat mir nur die Zeit gefehlt, ihm den letzten Schliff zu verpassen und ihn zu posten.
Ich weiß, es ist ziemlich merkwürdig, jetzt noch etwas zu Shanghai zu schreiben, wenn man einmal daran denkt, dass ich jetzt auch schon wieder seit einem Monat in Zhengzhou bin (wow, die Zeit vergeht wahnsinnig schnell!) Aber es gibt in Shanghai Menschen, über die ich noch viel zu wenig geschrieben habe und die mir 5 Wochen lang einen Grund gegeben haben, ständig überglücklich zu sein und die maßgeblich dazu beigetragen haben, dass ich mich in Shanghai, obwohl ich nur so kurz dort war, sehr zuhause gefühlt habe.

Von wem spreche ich? Ich habe sie alle schon einmal erwähnt, aber um sie euch wieder besser in Erinnerung zu rufen: Meine wundervolle Gastfamilie – Sky, Shushu, Xixi – war für mich genauso wichtig wie Rose, meine Chinesischlehrerin.

Und mit Rose werde ich auch beginnen. In Wirklichkeit ist sie ja auch irgendwie mein Familienmitglied, nachdem sie der Meinung ist dass sie eher meine ältere Schwester als meine Chinesischlehrerin ist. Nachdem sie nur 27 ist, geht sich das sogar noch mehr oder weniger gut aus. Es gibt so viel über sie zu sagen, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Das erste, was mir einfällt, ist, dass sie ihren englischen Namen „Rose“ nicht etwas gewählt hat, weil er ähnlich klingt wie ihr chinesischer, und eigentlich auch nicht deshalb, weil „Rose“ übersetzt „Rose“ bedeutet. Nein, es gibt nur einen Grund, warum sie sich gerade diesen Namen ausgesucht hat: Wenn sie einmal heiratet, soll auf den Einladungskarten „Rose and Jack in love“ stehen.
So sind sie, die jungen Chinesinnen. Romantisch… kitschig… Dafür kennt sie Johnny Depp nicht. Wobei sie aber nicht die Einzige ist, ich habe bisher zwei Leute in China kennengelernt, die mit diesem Namen etwas anfangen können.

Aber Johnny Depp tut hier nichts zur Sache. Rose war nicht nur 5 Wochen lang meine Chinesischlehrerin, der ich es zu verdanken habe, dass ich hier im Unterricht nicht ÜBERHAUPT nichts verstehe, sie war noch viel mehr als das. Sie war meine Freundin. Sie ist mit mir ins Kino gegangen, hat mir die billigste Einkaufsstraße für chinesische traditionelle Kleinigkeiten gezeigt, sie hat mir jeden Tag ein kleines Stückchen Schokolade in den Unterricht mitgebracht – nebenbei, sie hat außerdem noch wirklich gut unterrichtet – mich auch manchmal auf ein Eis eingeladen, mich zum Abendessen ausgeführt und dafür gesorgt, dass ich die chinesische Kultur jetzt ein kleines bisschen besser verstehe.

In meinem Klassenraum. Die Handhaltung ist auch total typisch für Chinesen, wenn sie fotografiert werden.

Eines der Dinge, die ich an ihr am meisten mag, ist dass sie Musik liebt. Warum? Weil sie mir jeden Tag im Unterricht ein chinesisches Lied vorgesungen hat und mir auch erlaubt hat, es aufzunehmen. Oder die Tatsache, dass sie nach meiner kleinen Schwester wahrscheinlich noch verrückter ist, als ich es bin –und das ist schon ziemlich schwer vorzustellen. 
Ja, und natürlich hat sie es auch geschafft, mich auf meine Prüfung am Ende dieser 5 Wochen so gut vorzubereiten, dass ich tatsächlich 93% geschafft habe, und darauf ein kleines bisschen stolz bin – ich darf jetzt sagen, dass mein Chinesischlevel „Intermediate 2“ ist.

Okay, soweit so gut. Also, wie ich oben schon erwähnt habe, hat – klarerweise – meine Gastfamilie genauso viel dazu beigetragen, dass ich mich in Shanghai wohlgefühlt habe.
Beginnen wir mit meinem Gastbruder.

Bevor ich nach Shanghai gekommen bin war ich zugegebenermaßen eher skeptisch. Ich habe erst kurz vorher erfahren, dass ich in einer Familie sein werde, und ich habe von meinem Gastbruder nur gewusst, dass er 14 oder 15 ist und dass er Sport und Computerspiele mag. Und man kann sagen was man will, aber 14/15jährige Burschen können manchmal ziemlich anstrengend sein. Ich weiß das, ich hab genügend dieser Art gekannt. Nichts gegen euch, und es trifft auch nicht auf alle zu und auch nicht die ganze Zeit, aber doch auf einige und manchmal. So waren zumindest meine Gedankengänge, bevor ich nach Shanghai gekommen bin.
Aber man lernt eben immer wieder, dass man nicht zu früh urteilen darf.

Mein Gastbruder war, im Endeffekt, der netteste Bruder den ich mir hätte wünschen können (mit dem kleinen Schönheitsfehler, dass das Hintergrundbild auf seinem Handy Justin Biber war). Er hat mich nach Hangzhou begleitet, für meine Fortbildung in chinesischer Geschichte und Kultur gesorgt, mich in Shanghai herumgeführt, mir chinesische Filme gezeigt – und übersetzt, ich versteh ja kein Wort – wir haben geplaudert, er hat VERSUCHT mir chinesische Witze zu erzählen, das war aber ziemlich sinnlos, weil er sie mir hinterher immer erst erklären musste, weil ich ja kein Chinesisch verstehe, und dadurch geht der Witz verloren, ich hatte mit ihm meine erste halbwegs politische Diskussion hier in China, er hat mich vorgewarnt, was mich in der Schule erwartet, wir haben seinen Geburtstag gemeinsam gefeiert… Kurz, wir hatten richtig viel Spaß.


Ja, dann war da natürlich Sky, meine Mutter. Sie ist Leiterin der Sprachschule, in der ich auch meinen Chinesischunterricht hatte, und sie ist ein richtig mütterlicher Typ, hat mich gleichzeitig aber auch nicht allzu sehr wie ein kleines Kind behandelt. Sie hat mir meine Freiheiten gelassen, und das war für mich doch sehr gut. Ihr Englisch war ziemlich gut – wie übrigens auch das meines Gastbruders, das habe ich oben nicht dazugeschrieben – zumindest für chinesischen Standard, aber wir haben es kaum gebraucht. Sicher, manche Dinge gibt es, die konnte ich nicht einmal mit 3 Wörterbüchern ausdrücken, und manche Dinge habe ich einfach nicht verstanden. Aber den Großteil der Zeit war Englisch wirklich nicht notwendig.


HIER SOLLTE EIN FOTO SEIN, ABER MEIN LAPTOP LÄSST ES MICH GERADE NICHT HOCHLADEN. SOBALD ES WIEDER GEHT KOMMT DAS FOTO NACH.

Meistens war sie sehr beschäftigt, und in vieler Hinsicht hat mich die Beziehung meiner Eltern in Shanghai an die meiner echten, biologischen Eltern erinnert: Sky hat fast den ganzen Tag lang gearbeitet, während Shushu – das heißt übersetzt Onkel, nebenbei – vor ihr zu Hause war und das Abendessen gekocht hat.
In gewisser Hinsicht hat mich das beruhigt, denn wenn ich Chinesen über chinesische Kultur reden höre oder wenn ich mir die Reaktionen ansehe, die ich bekomme wenn ich von der Beziehung meiner Eltern erzähle, oder auch wenn ich mir einige andere chinesischen Ehepaare hernehme, die ich kennenlernen durfte, dann würde ich sagen, dass das eher eine Ausnahmebeziehung ist. Natürlich gibt es viele Frauen, die arbeiten, die meisten sogar, aber ich glaube dass in den allermeisten Familien es trotzdem Voraussetzung ist, dass die Frau weniger arbeitet, um kochen zu können etc.

Ja, Sky war sehr beschäftigt, aber sie hat sich trotzdem sehr bemüht, mit mir viel Zeit verbringen zu können und ich habe sie in den 5 Wochen sehr lieb gewonnen, genauso wie meinen Shushu, obwohl ich mit ihm weniger zu tun gehabt habe, weil ich sein Chinesisch nur sehr schwer verstanden habe. Eigentlich schade, denn er hat sehr viel über chinesische Kultur gewusst und hätte bestimmt viel erzählen können – hat er auch, nur habe ich das meiste davon leider nicht verstanden. Er ist auch ein guter Koch, und davon habe ich nicht nur profitiert, weil ich jeden Tag Unmengen guter Dinge zu essen bekommen habe, sondern auch deshalb, weil er mir beigebracht hat, Jiaozi zu kochen. (Mit Unterstützung von meinem Bruder, der als Übersetzer immer wieder hilfreich war).
Was sind Jiaozi? Davon abgesehen, dass ich bestimmt noch einen Eintrag über Chinesisches Esses schreiben werde, finde ich immer, dass Essen sehr schwierig zu beschreiben ist. Aber nachdem ich jetzt schon dreimal Jiaozi selbstgemacht habe und es hier sicher noch einige Male üben werde, könnte ich mir schon vorstellen, das in Österreich einmal zu servieren, für alle die, die kosten wollen…

HIER SOLLTE EIN FOTO SEIN, ABER MEIN LAPTOP LÄSST ES MICH GERADE NICHT HOCHLADEN. SOBALD ES WIEDER GEHT KOMMT DAS FOTO NACH.

Im Endeffekt waren es einfach 5 wundervolle Wochen, und ich werde meine Gasteltern – und Rose – niemals vergessen und ihnen für immer für die wunderschöne Zeit dankbar sein.
Das wird nur unterstrichen von der Tatsache, dass wir am bei meiner Abfahrt nach Zhengzhou allesamt einige Tränen vergossen haben (in meinem Fall habe ich die Tränen erfolgreich zurückgehalten bis meine Familie außer Sicht war und erst dann begonnen, ziemlich verzweifelt zu schluchzen. Es ist unglaublich wie vertraut man miteinander nach nur fünf Wochen werden kann!)
Aber, hey, wer sagt denn, dass ich sie nie wieder sehen werde?! Sowohl Rose als auch meine Familie wird mich wahrscheinlich hier in Zhengzhou besuchen kommen. Und ich? Bis Februar wird es sich bestimmt nicht mehr ausgehen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es mich nicht einmal bei einer erneuten Chinareise wieder nach Shanghai führen sollte…

Sonntag, 2. September 2012

Eine kleine Besichtigungstour in China...


...durch Wudang, Hangzhou, Wuhan und Shanghai

Ich bin ja von Natur aus ein ziemlich neugieriger Mensch, und deshalb hat es mir nicht ausgereicht, in den beiden Städten zu bleiben, die für mich vorgesehen waren, nämlich Wuhan und Shanghai. Treu dem Motto: „Sieh von China so viel wie möglich und ergreife alle Chancen, die sich dir bieten, mehr von China zu sehen“ habe ich Ende Juli, noch bevor ich nach Shanghai gekommen bin, eine 3-Tagesreise nach Wudang gemacht und erst vorletzte Woche habe ich mit meinem Gastbruder gemeinsam Hangzhou besucht. Diesmal, das verspreche ich, kommt nur wenig Text. Ihr könnt daher – hauptsächlich – die Bilder auf euch wirken lassen und werdet dabei nur hin und wieder von erklärenden Worten meinerseits begleitet…




Wudang und Wudang Shan (= Wudang Berg). Das darf man nicht verwechseln. Wudang Shan ist eine bekannte Sehenswürdigkeit in China, eine Art Mittelding aus Naturreservat, Tempelanlage und Touristenattraktion mit vielen Souvenirshops – wobei eher chinesische Touristen gemeint sind, ich bin jedenfalls die einzige Ausländerin dort gewesen.


Wudang ist eine Stadt, oder genauer gesagt die Stadt, an deren Rand Wudang Shan liegt. Laut Chinesen ist es eine Kleinstadt, hat ja eh nur 4 Millionen Einwohner… Wudang ist aber wirklich eine Kleinstadt, denn erstens fühlen sich 4 Millionen Einwohner-Städte in China irgendwie nicht so groß an, zweitens gibt es ein einfaches Mittel, herauszufinden, wie klein (oder groß) eine chinesische Stadt wirklich ist: Je mehr Leute dich als Ausländer/in anstarren, desto kleiner ist die Stadt.
Die Anreise von Wuhan nach Wudang dauert mit dem Zug ein bisschen mehr als 4 Stunden, daher sind wir am Montag hingefahren, haben am Dienstag Wudang Shan besucht und sind am Mittwoch wieder zurückgefahren.


Mit dem Wetter hatten wir kein Glück, auf dem Berg war es regnerisch und kalt… es war aber trotzdem wunderschön. Aber wir haben die Tempel gesehen, und die waren früher die Bildungsstätten und Unterrichtsgebäude der chinesischen Kaisersöhne.


Wie gesagt, es gibt viele Tempel. Die Leute beten dort auch, und wenn du ein bisschen Geld bezahlst, kannst du dir sogar etwas wünschen, das dann in Erfüllung geht.


Und natürlich begegnest du auch Chinesischen Tanz-Kampfgruppen (sorry, ich hab keine Ahnung wie man das sonst sagen könnte). Und meine wundervolle Hong Ling (das ist meine Chinesischlehrerin) hat natürlich begeistert mitgemacht. Sie ist hier im Vordergrund zu sehen. Und der Herr ganz rechts seht ihr ihren Papa.


















Und zu guter Letzt ist Wudang Shan natürlich auch ein Naturreservat (und zusätzlich noch eine wichtige Stätte des Taoismus und des Wushu. Aber Naturreservat stimmt auch. 


Ja, das waren richtige Affen, sie sind nicht eingesperrt, und sie hätten mich anfallen können, sie waren nur ungefähr zwei Meter von mir entfernt. Sie können vollkommen frei herumlaufen und klettern.


In Hangzhou gibt es jetzt zwar keine Affen, aber Naturreservat trifft es trotzdem ziemlich gut. Okay, was ist Hangzhou? In Hangzhou war ich erst vor etwas mehr als einer Woche und zwar zusammen mit meinem Gastbruder. Wir sind mit dem Zug hingefahren, man braucht von Shanghai ungefähr eine Stunde, und in Hangzhou noch einmal eine Viertelstunde mit dem Bus, bis man zur „Hauptattraktion“ kommt. Aber zu der kommen wir später.
Zuerst einmal: Es ist verblüffend wie man in der einen Sekunde das Gefühl hat, mitten in der Stadt zu sein und sich in der nächsten Sekunde von Natur und chinesischer Tradition umgeben sieht, friedliche, ruhig … zauberhaft. Im Chinesischen gibt es einen Satz, "Shang you tian tang, xia you Su Hang" Übersetzt: Oben gibt es das Paradies, unten gibt es Suzhou und Hangzhou. Sprich: Suzhou und Hangzhou sind wunderschön.




Ich glaube in allen chinesischen Ortschaften, die etwas auf sich halten, gibt es Tempel. Hier auch. Wir haben mehrere besichtigt, unter anderem einen, der für einen chinesischen Kriegshelden gebaut wurde. Davon habe ich aber leider keine Fotos.
Hier drinnen sind viele alte chinesische Kunstwerke und man hat eine wunderbare Aussicht.


Und diese Aussicht führt uns alle zur Hauptattraktion die Hangzhou zu bieten hat und die man auf diesem Bild eigentlich schon ganz gut sieht. Xihu. Übersetzt: Westsee. Klingt unspektakulär… aber… naja, entscheidet selbst.
















Das hier war also der Westsee, und wir überbrücken jetzt ein paar hundert Kilometer und kommen nach Wuhan, zum Donghu, also zum Ostsee (Bitte nicht verwechseln mit der Ostsee). Davon hab ich nicht so viele Bilder… und es ist auch schon sieben Wochen her, dass ich dort war, ABER …


In Wirklichkeit sind sie sich ja ziemlich ähnlich, West und Ostsee…


Aber wenn man sich das zweite Bild anschaut, dann sieht man eine Kleinigkeit von Wuhan, die in Shanghai oder Hangzhou nicht so ist: In Wuhan gibt es keinen blauen Himmel. Über Wuhan ist eine Smogkuppel, der Himmel ist… naja, einfach nicht blau. Ich weiß, am ersten Bild wirkt es so, als wäre er blau, aber das scheint nur auf dem Foto so, in Wirklichkeit ist er nicht blau. Er ist grau, und das wird schnell ziemlich trist. Und am Abend sieht man die Sterne nicht. In Hangzhou war ich nicht lange genug, um herauszufinden, ob man dort Sterne sehen kann, in Shanghai sieht man die Sterne auf jeden Fall, und sowohl in Hangzhou als auch in Shanghai ist der Himmel blau. Wenn das Wetter stimmt.


Ach ja, apropos Shanghai. Da war ich ja auch. Sogar fünf Wochen lang. Nein, ich bin nicht mehr dort, schon seit Mittwoch nicht mehr, ich bin jetzt endgültig in „meiner“ Stadt angekommen, in Zhengzhou. Aber meine Sightseeing-Eindrücke kann ich euch ja trotzdem vermitteln…


Gut. Ich hab viel in Shanghai gesehen, und alle Fotos passen hier nicht rein. Das hier zeigt das Zentrum Shanghais, und auch, dass es eben auch westliche Teile Shanghais gibt. Übrigens, es schaut zwar so aus als wäre der Turm links am höchsten, aber das höchste Gebäude ist eigentlich das eher rechts, das schwach blau leuchtet (nein, nicht das Schiff). Wie man mir das zum ersten Mal gesagt hat, konnte ich es auch nicht glauben…


Ja, das ist echt. Kein Fotoshop oder Ähnliches…
Und dann habe ich noch das hier gesehen. ACHTUNG: Das hier…


         ... ist das hier!




Ja, just saying…
Natürlich war ich auch im Shanghai Museum, und man kann sagen was man will, Museen sind cool. Auch deshalb, weil sie in Shanghai alle gratis sind, aber hauptsächlich, weil sie gute englische Übersetzungen haben, du fotografieren darfst und eine Menge über die chinesische Kultur erfährst. Eine Auswahl…



































(ich will euch ja nicht überfordern)



Ich war auch im Shanghai Expo. Davon gibt es Fotos, aber ich kann ja nicht alles posten… ein bisschen was muss ich mir aufheben, um es herzeigen zu können wenn ich zurück nach Österreich komme. Und ich habe euch viele Fotos gezeigt.


Das war’s für diesmal. Ich freue mich wie immer über Kommentare, Emails oder andere Nachrichten und sende allen wundervolle chinesische Grüße. Hoffentlich war die kleine Tour durch China interessant.